Geltende Regelungen für die "dezentrale Beseitigung von Regenwasser" in Baden - Württemberg

 

Rechtliche Rahmenbedingungen
Nach § 45 b Abs. 3 Wassergesetz für Baden-Württemberg (WG) soll Niederschlagswasser versickert oder ortsnah in ein oberirdisches Gewässer abgeleitet werden, wenn dies mit vertretbarem Aufwand und schadlos möglich ist. Einzelheiten für ein erlaubnisfreies Vorgehen sind in Baden-Württemberg in der Verordnung über die dezentrale Beseitigung von Niederschlagswasser vom 22. März 1999 geregelt. Die zuständigen Wasserbehörden der Stadt- und Landkreise haben dann die Pflicht zu prüfen, ob die geplante Entwässerungsform für solche Abflüsse umweltgerecht möglich ist. Die Versickerung von Abflüssen von Dächern mit üblichen Flächenanteilen aus Kupfer und Zink, wie z.B. Gauben, Eingangsüberdachungen, Erker, Dachrinnen, etc., ist darin als nicht erlaubnispflichtig eingestuft.

 

Bauleitplanung
Die Einleitung in ein oberirdisches Gewässer und die Versickerung sind dann erlaubnisfrei möglich, wenn die erforderlichen Maßnahmen zur dezentralen Regenwasserbeseitigung in bauplanungsrechtlichen oder bauordnungsrechtlichen Vorschriften enthalten sind. Diesen fällt die Aufgabe zu, die Anforderungen für die naturverträgliche Regenwasserbewirtschaftung zu definieren. Um einen nachhaltigen Schutz von Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer zu erreichen, müssen entsprechende Festsetzungen im Bebauungsplan (B-Plan) erfolgen. Die hier angesprochenen Regelungen und Verordnungen gelten aber nicht für die Ableitung von gesammeltem Regenwasser in die Kanalisation. Niederschlagswasser von Dachflächen aus Kupfer und Zink können weiterhin entsprechend der kommunalen Entwässerungsatzung in die Kanalisation eingeleitet werden.

 

Umweltministerium befürwortet Sickermulde für Kupfer- und Zinkdachflächen
In Baden-Württemberg, ein Bundesland das der Versickerung von Niederschlagswasser von Kupfer- und Zinkdächern bisher sehr kritisch gegenüberstand und Einzelprüfungen verlangte, hat der neue Erkenntnisstand über die Abschwemmraten und deren Umweltauswirkungen zu einer Änderung beim Genehmigungsverfahren geführt. In Baden-Württemberg wird die Versickerung von Abflüssen von kupfer- und zinkgedeckten Dächern über die entsprechend aufgebaute Sickermulde als geeignete Behandlungsmaßnahme vom Umweltministerium befürwortet.

 

 

Wenn die örtlichen Gegebenheiten es zulassen und keine Gefährdung des Grundwassers zu befürchten ist, kann das gesamte abfließende Niederschlagswasser versickert werden. Man unterscheidet zwischen dezentralen, semizentralen und zentralen Versickerungseinrichtungen. Erfolgt die Versickerung auf dem Grundstück, auf dem das Niederschlagswasser anfällt, handelt es sich um eine dezentrale Anlage. Werden Abflüsse von mehreren Grundstücken bzw. Einzugsgebieten zusammengefasst und einer gemeinsamen Versickerungsanlage zu-geführt, spricht man von semizentralen oder zentralen Anlagen. Eine breitflächige Versickerung über die bewachsene Bodenschicht ist immer anzustreben.

 

Durch die dabei stattfindenden Filter- und Sorptionsvorgänge erfolgt ein effektiver Grund-wasserschutz. Die lokale Grundwasserneubildung wird erhöht und Abwasseranlagen und oberirdische Gewässer werden entlastet. Der Boden übernimmt dabei eine Filterfunktion und ist Teil der Abwasserbehandlungsanlage.

 

Schon im örtlichen Bebauungsplan können entsprechende Vorgaben für Sickermulden in Verbindung mit kupfer- und zinkgedeckten Dachflächen festgelegt werden. Ein entscheidender Beitrag zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung wird damit geleistet.